Moral, Vernunft und Gründe

Autor: Yusuf Kuhn - Di., 28.05.2019 - 16:01
Textlänge in Buchseiten ca. 36

 
Bei seiner Kritik der modernen Moralphilosophie stützt Hallaq sich auch auf Überlegungen von Charles Larmore, den er, im Unterschied zu Taylor und MacIntyre, als liberal bezeichnet. 1 Dies mag bei all seiner Kritik am Liberalismus erstaunen. In der Tat entspricht dies aber Larmores Selbstverständnis, der sich in der liberalen Traditionslinie eines John Rawls verortet. So heißt es im Vorwort von Rainer Forst zu einer in Deutschland und auf Deutsch gehaltenen Vorlesung von Charles Larmore mit dem Titel Vernunft und Subjektivität:

Charles Larmore war Student an der Harvard University, als John Rawls’ großes Werk über die Gerechtigkeit erschien, und er ist bis heute vielen Aspekten dieses Ansatzes treu geblieben und hat ihn vielschichtig weiterentwickelt. Mehr als das, er gilt derzeit neben Rawls als einer der wichtigsten Proponenten des politischen Liberalismus. 2

  • 1. Siehe den Abschnitt Ein Ausweg?, S. 172. Dort heißt es: »Das moralische Streben des modernen Islam, das die fortgesetzte Bindung der heutigen Muslime an das Zentralgebiet des Moralischen widerspiegelt, findet, wie wir gesehen haben, seine Entsprechung in den dünnen, aber widerhallenden Stimmen der MacIntyres, Taylors und (sogar liberalen) Larmores der westlichen Welt.« (Wael B. Hallaq, The Impossible State: Islam, Politics, and Modernity’s Moral Predicament, New York, Columbia University Press, 2013, S. 169.)
  • 2. Charles Larmore, Vernunft und Subjektivität. Frankfurter Vorlesungen, Frankfurt, 2012, S. 9.