al-Ghazālī und die Einführung der Logik in den Kalām

Autor: Yusuf Kuhn - Mi., 14.02.2018 - 14:39
Textlänge in Buchseiten ca. 10

Vorbemerkung

In dem Aufsatz From Al-Ghazālī To Al-Rāzī 1 untersucht Ayman Shihadeh die Entwicklung des islamischen Denkens von al-Ghazālī (gest. 505/1111) bis Fakhr ad-Dīn ar-Rāzī (gest. 606/1210). al-Ghazālī gilt als der große Erneuerer (mudschaddid) des islamischen Glaubens seines Jahrhunderts. Das ist nahezu unbestritten. Aber gilt dies entsprechend auch für ar-Rāzī, der genau hundert Jahre später gelebt hat?

Shihadeh vertritt die These, dass erst ar-Rāzī vollendet hat, was oftmals schon al-Ghazālī zugeschrieben wird, nämlich die Durchdringung des kalām mit aristotelischer Logik und Philosophie. al-Ghazālī hat erste Schritte in diese Richtung unternommen, ist aber auf halbem Wege stehengeblieben, während ar-Rāzī diesen Weg konsequent bis an sein Ende gegangen ist.

Wir wollen hier nur den ersten Teil dieser Untersuchung näher betrachten, der sich mit dem geistigen Hintergrund der Entwicklung von ar-Rāzī beschäftigt und mit al-Ghazālīs Herangehensweise an den Kalām beginnt.

  • 1. Ayman Shihadeh, From Al-Ghazālī To Al-Rāzī: 6th/12th Century Developments In Muslim Philosophical Theology, in: Arabic Sciences and Philosophy, vol. 15 (2005), pp. 141-179.