1.6.4 Zur dritten Einleitung

Autor: Yusuf Kuhn -

Zu Beginn legt al-Ghazālī erneut seine Absicht dar und macht ganz ausdrücklich klar, dass diese im Tahāfut ausschließlich kritischer Natur ist:

Die Absicht ist, diejenigen zu warnen, die gut von den falāsifa denken und meinen, dass ihre Verfahrensweisen frei von Widerspruch sind, indem wir die Aspekte ihrer Inkohärenz (tahāfut) aufdecken. Und deshalb werde ich mich nur insofern auf die Auseinandersetzung mit ihnen einlassen, als es für eine Bestreitung erforderlich ist, nicht um Behauptungen und Thesen aufzustellen. Ich werde das, woran sie glauben, als dunkel und undurchsichtig erweisen, [indem ich] schlüssig [aufzeige], dass sie an verschiedenen Konsequenzen [ihrer Theorien] festhalten müssen. (S. 7)

al-Ghazālī lässt keinen Zweifel daran, dass es ihm im Tahāfut nicht daran gelegen ist, eine eigene Lehre auszubreiten und zu verteidigen. Er macht sich nicht zum Fürsprecher der Auffassungen einer bestimmten islamischen Gruppe, sondern zielt vielmehr auf die Einheit all derer ab, die sich in ihrer Vielfalt und Pluralität innerhalb des wahrhaft islamischen Denkens bewegen, aus dessen Rahmen manche Thesen der falāsifa herausfallen.

Ich werde mich nicht zur Verteidigung einer bestimmten Lehre aufschwingen, sondern werde alle Gruppen (firaq) zu einer Gruppe gegen sie (falāsifa) machen. Denn die anderen Gruppen mögen sich in Einzelheiten von uns unterscheiden, wohingegen sie (falāsifa) sich den Grundsätzen der Religion widersetzen. So lasst uns gemeinsam gegen sie obsiegen. Denn angesichts der Not vergeht der Groll. (S. 8)